Fallstudie · Versicherungen

Leistungsanträge: mehr als doppelt so schnell bearbeitet

Bei einer privaten Krankenzusatzversicherung mit über 35.000 Versicherten, nach vier Monaten Betrieb.

Auf einen Blick

Stapelweise-Partner
praenatura, private Krankenzusatzversicherung in Hessen, über 35.000 Versicherte
Dokumentenaufkommen
Mehrere hundert Dokumente täglich
Eingangswege
Post, E-Mail, Upload-Portal
Dokumentarten
Überwiegend Kostenerstattungsanträge und Belege von Heilbehandlungen, in sehr unterschiedlichen Formaten
Zielsystem
Abgleich mit der Versichertendatenbank und Übergabe der Dokumente über eine API
Freigabe
Jedes Dokument wird von Mitarbeitenden geprüft und bestätigt
Betriebsmodell
KIBox, lokal im Haus der Versicherung betrieben, mit leistungsfähigen Open-Source-Modellen. Keine Datenübertragung nach außen
Paket
Enterprise
Einrichtung
12 Tage
Testphase
4 Wochen
Aufwand der Versicherung
Kickoff-Workshop über drei Stunden mit drei Verantwortlichen, zwei Check-ins während der Testphase, eine Abnahme danach
Im Einsatz seit
4 Monaten

Ausgangslage

Täglich gehen bei praenatura mehrere hundert Dokumente ein: Kostenerstattungsanträge, Belege von Heilbehandlungen, Rückfragen und Nachweise, in sehr unterschiedlichen Formaten. Sie kommen per Post, per E-Mail und über ein Upload-Portal.

Bevor über eine Leistung entschieden werden konnte, mussten diese Unterlagen gesichtet, geprüft und dem richtigen Versicherten zugeordnet werden. Teilweise waren Unterlagen unvollständig oder schlecht lesbar. Um einen Beleg der richtigen Person zuzuordnen, mussten Name und Geburtsdatum aus dem Dokument gelesen und in der Versichertendatenbank gesucht werden.

Ein Detail zeigt, wie viel Aufwand in diesem Schritt steckte: Auch digital eingereichte Belege wurden zunächst ausgedruckt. Auf Papier ließen sich mehrseitige Sammeleinreichungen leichter sortieren und einer Person zuordnen, deshalb hatte sich dieser Weg im Alltag durchgesetzt. Entsprechend hoch war das tägliche Druckaufkommen.

Hinzu kommt ein Muster, das im Alltag häufig auftritt: Familien reichen die Unterlagen aller Mitglieder in einer einzigen Datei ein.

Am Anfang stand der Prozess, nicht die Software

Das Projekt begann mit einem Workshop. Die zentrale Frage lautete: Was passiert eigentlich mit einem Dokument, nachdem es eingegangen ist?

Der Weg eines Dokuments wurde gemeinsam Schritt für Schritt aufgenommen. Dabei zeigte sich, wie viel fachliches Wissen in der täglichen Arbeit steckt: Bei jedem Eingang erkannten Mitarbeitende die Dokumentart, prüften die Lesbarkeit, identifizierten den Versicherten und entschieden, wie es mit dem Dokument weiterging. Mehrere hundert Mal pro Woche.

Diese Abläufe sind über Jahre gewachsen und eingespielt. Für die Automatisierung mussten sie erstmals vollständig beschrieben und in klare Entscheidungsregeln übersetzt werden. Genau das war die erste Aufgabe: nicht eine KI einzuführen, sondern das vorhandene Erfahrungswissen sichtbar und übertragbar zu machen.

Anforderungen

  • Dokumente unabhängig vom Eingangskanal an einer Stelle zusammenführen
  • Sammeldateien automatisch in Einzeldokumente trennen
  • Dokumentart, Name, Geburtsdatum und Briefdatum zuverlässig auslesen
  • Über Name und Geburtsdatum den passenden Versicherten in der Datenbank finden
  • Mitarbeitenden den passenden Versicherten vorschlagen, damit sie ihn nur noch bestätigen müssen
  • Die Auswahl des Folgeprozesses auf einen Klick pro Dokument reduzieren
  • Das bestätigte Dokument an den richtigen Folgeprozess im Zielsystem übergeben
  • Auch unscharfe Scans und unvollständige Unterlagen verarbeiten
  • Den besonderen Anforderungen an den Schutz von Gesundheitsdaten genügen
  • Das Ausdrucken digital eingereichter Belege überflüssig machen

Umsetzung

Alle eingehenden Dokumente laufen unabhängig vom Kanal in einem zentralen Ordner zusammen. Ab dort durchläuft jedes Dokument fünf Schritte.

Trennen

Sammeldateien werden in ihre Einzeldokumente zerlegt, auch wenn darin die Unterlagen mehrerer Familienmitglieder enthalten sind.

Auslesen

Jede Seite wird analysiert. Erfasst und auf Plausibilität geprüft werden Dokumentart, Name, Geburtsdatum und Briefdatum.

Abgleichen

Name und Geburtsdatum werden über eine API mit der Versichertendatenbank abgeglichen. Das Ergebnis ist ein Vorschlag, welchem Versicherten das Dokument zuzuordnen ist.

Bestätigen

Jedes Dokument wird von Mitarbeitenden geprüft und freigegeben. Sie bestätigen den vorgeschlagenen Versicherten und entscheiden selbst, wie es mit dem Dokument weitergeht. Dafür wurde die Oberfläche erweitert: Fünf Schaltflächen bilden die gängigen Folgeprozesse ab, Vorgang, Ablehnung, Rückfrage, Stammdatenänderung und Rücklauf. Aus mehreren Arbeitsschritten wird so ein Blick und ein Klick pro Dokument.

Übergeben

Das bestätigte Dokument wird über die API an das Zielsystem übergeben und je nach gewähltem Folgeprozess in die passende digitale Postbox geleitet. Dort läuft die interne Bearbeitung wie gewohnt weiter.

Die Einrichtung dauerte 12 Tage, die anschließende Testphase 4 Wochen. Auf Seiten der Versicherung waren dafür ein Kickoff-Workshop über drei Stunden mit drei Verantwortlichen, zwei Check-ins während der Testphase und eine Abnahme danach erforderlich. Im laufenden Betrieb fällt etwa alle sechs Wochen eine Supportanfrage an.

70 % kürzere Bearbeitungsdauer bei Leistungsanträgen.

Ergebnis

Vor StapelweiseMit Stapelweise
Eingangdrei Kanäle, getrennt bearbeitetein zentraler Ordner, der Kanal spielt keine Rolle
Papierauch digital eingereichte Belege wurden ausgedrucktdigital eingereichte Belege werden nicht mehr ausgedruckt
Sammeldateienvon Hand aufgeteiltautomatisch getrennt
ZuordnungName und Geburtsdatum von Hand aus dem Dokument gelesen und in der Datenbank gesuchtder passende Versicherte wird vorgeschlagen, Bestätigung per Klick
Folgeprozessentschieden und von Hand weitergegebenmit einem Klick gewählt, Übergabe läuft automatisch
Stand bei Bearbeitungsbeginnunsortierter Eingangzugeordnet und in der richtigen digitalen Postbox

→ 70 % kürzere Bearbeitungsdauer

Leistungsanträge werden deutlich schneller bearbeitet als vor der Einführung.

→ Kein Ausdruck digital eingereichter Belege mehr

Digital eingereichte Unterlagen werden durchgehend am Bildschirm bearbeitet.

→ Weniger Fehlzuordnungen

Übertragungsfehler treten seltener auf, weil Angaben nicht mehr von Hand übernommen werden.

→ Ein Drittel weniger Rückfragen

Fehlende Angaben fallen früher auf, nicht erst in der Bearbeitung.

→ Alle sechs Wochen eine Supportanfrage

Der laufende Betrieb bindet kaum Kapazität in der IT.

Einordnung: Die Angaben beziehen sich auf die Bearbeitung von Leistungsanträgen bei praenatura nach vier Monaten Betrieb. Sie sind keine Aussage über den Gesamtaufwand des Hauses. Wie stark eine andere Versicherung profitiert, hängt vom Dokumentenaufkommen, den Eingangskanälen und vor allem davon ab, wie gepflegt die vorhandenen Versichertendaten für den Abgleich sind.

Herausforderungen auf dem Weg

Die Abläufe mussten erst beschrieben werden

Nicht die Technik war die größte Aufgabe, sondern das Erfahrungswissen aus dem Tagesgeschäft in Regeln zu übersetzen, die eine Software anwenden kann.

Nicht jedes Dokument ist sauber

Unscharfe Scans und unvollständige Unterlagen sind Alltag. Die Konfiguration ist darauf ausgelegt, auch diese zu verarbeiten und den Mitarbeitenden einen belastbaren Vorschlag zu liefern.

Der Wechsel vom Papier zurück an den Bildschirm

Das Ausdrucken war kein Versehen, sondern die praktikabelste Lösung für die Zuordnung. Die Oberfläche musste deshalb mindestens so übersichtlich sein wie ein Stapel Papier auf dem Schreibtisch. Die fünf Schaltflächen sind genau daraus entstanden.

Gesundheitsdaten stellen besondere Anforderungen

Maßgeblich war, dass die Unterlagen das Haus nicht verlassen. Der lokale Betrieb auf der KIBox erfüllt das.

Die Akzeptanz war hoch

Neue Software stößt häufig auf Skepsis. Hier war das anders, weil die Lösung einen der größten täglichen Reibungspunkte beseitigte und das Drucken, Sortieren und Ablegen entfiel.

Wo die Daten verarbeitet werden

Gesundheitsdaten sind besonders schützenswert. Die Verarbeitung findet deshalb vollständig lokal statt: auf der KIBox im Netz der Versicherung, mit leistungsfähigen Open-Source-Modellen. Die Unterlagen werden nicht an externe Dienste oder Modellanbieter übermittelt, verlassen die Infrastruktur des Hauses nicht und fließen nicht in Trainingsdaten ein.

Die fachliche Leistungsentscheidung bleibt vollständig bei praenatura. Stapelweise bereitet den Vorgang vor; die Bestätigung des Versicherten und die Wahl des Folgeprozesses treffen Mitarbeitende in jedem Einzelfall selbst. Jede Freigabe wird protokolliert und ist nachvollziehbar.

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Wie viel Zeit steckt bei Ihnen im Dokumenteneingang?

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